Cycle Way To Heaven – Mit dem Rad zum Nordkap

Der letzte Schlafplatz vorm Nordkap…

Als Lennart und ich am Morgen unsere Zelte einpacken und die Räder beladen, habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Mag sein, dass es zum Teil am streng rationierten Frühstück liegt, das nach so langer Zeit einfach nicht mehr richtig satt macht. In erster Linie aber denke ich an unser heutiges Fahrziel: Nach einem halben Jahr der Vorbereitung, nach 4000 km und im fünften Land unserer Fahrradtour, liegt das Nordkap nur noch eine einzige Tagesetappe von uns entfernt. Mit einer sonderbaren Mischung aus Vorfreude und Wehmut hängt jeder seinen Gedanken nach, als wir die ersten Kilometer des Tages absolvieren. In den vergangenen Wochen haben wir viel erlebt. Dass wir das erste Mal in Egestorf bei Hamburg unser Zelt aufgeschlagen haben, scheint schon ewig lange her zu sein, ebenso wie unsere Freude über das erste kleine Lagerfeuer im Süden von Schweden und die Erwartung, wenigstens einmal einen Elch zu sehen. Doch die scheuen Tiere scheinen Fahrradfahrer zu meiden. Dafür hat uns der Anblick von Walen in der Barentssee entschädigt und seit einigen Tagen werden wir immer wieder von Rentierherden begleitet.

Berichte im Internet und Gespräche mit anderen Radfahrern, die uns entgegen gekommen sind, haben uns darauf vorbereitet, dass diese Etappe eine der schwersten werden soll. Nicht nur, weil die letzten 30 km mehr Steigung haben, als so manche 140 km – Etappe, die wir in der Vergangenheit gemeistert haben. Erst einmal dahin zu kommen führt uns schon an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Denn der gefürchtete Nordkapptunnelen stellt uns auf die erste Bewährungsprobe des Tages. Auf rund 7 km Länge führt der Tunnel uns zunächst tief unter das Meer. Obwohl wir beide Bremsen gedrückt halten, beschleunigen wir auf dem Gefälle im Nullkommanix auf über 50 km/h. Kein Bürgersteig, geschweige denn ein Fahrradweg hält uns auf Distanz zu den Wohnmobilen, die auf enger Straße in beide Richtungen fahren. Die Deckenleuchten flackern und fallen zum Teil ganz aus. Nicht zum ersten Mal bereuen wir, keine Warnweste dabei zu haben. Doch so rasant die Abfahrt ist, so abrupt schlägt der Weg ins Gegenteil um. Unter Keuchen und Schwitzen strampeln wir uns eine gefühlte Ewigkeit ab, um endlich aus der bedrückenden Dunkelheit des Tunnels wieder herauszukommen.

Ab Honningsvåg geht es nur noch steil bergauf. Der Wind peitscht aus allen Richtungen gegen die Packtaschen und wenn wir nicht schon vor Schweiß völlig durchnässt sind, tut der Regen sein übriges. Unsere Oberschenkel brennen vor Anstrengung, während die Fingerkuppen in der nassen Kälte taub werden. Je mehr Höhenmeter wir in dem alpinen Gelände erklettern, desto dichterer Nebel zieht um uns herum auf. Meine beschlagene Brille habe ich längst abgesetzt, aber viel mehr kann ich so auch nicht sehen. Nur 10, vielleicht 15 m Sicht haben wir, bis sich alles in einer grau-weißen Wand verläuft. Und während wir stundenlang bergauf ins scheinbare Nichts radeln, kommt mir aus irgendeinem Grund der Song Stairway to Heaven in den Sinn.

Hinter der Kurve habe ich Lennart im Nebel verloren…

In so dichtem Nebel verliert man leicht die Orientierung. Steigung und Gefälle erkennt man irgendwann nur noch an der Geschwindigkeitsangabe auf dem Tacho. Und so wären wir in der Suppe um ein Haar in die Kassenhäuschen der Nordkapphallen gekracht. Wir haben es also geschafft! Die allerletzten Meter zum berühmten Globus rollen wir im Schritttempo. Hier, am vermeintlich nördlichsten Punkt Europas, sehen wir – nichts als Nebel.

Geschafft! Zufrieden in der grauen Suppe! 🙂

Eine Rutschpartie durchs Weserbergland

Erstmals seitdem Lennart und ich im letzten Sommer mit dem Fahrrad zum Nordkap gefahren sind, machen wir eine Tour mit Übernachtung im Freien. Zwar nur für eine Nacht und ganz in der Nähe, aber Hauptsache raus! Wir entscheiden uns für einen Abschnitt des Weserbergland-Wegs und wollen in zwei Tagen die etwa 47 km von Hann. Münden nach Bad Karlshafen wandern. Ein Unterfangen, das uns mal wieder zeigt, dass man Abenteuer nicht in der Ferne zu suchen braucht.

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Wolkenmix und Matschepampe

Wer in die Natur geht muss sich damit abfinden, dass sie macht was sie will. Die letzten Tage war es viel zu heiß, um sich auch nur mal kurz in die Sonne zu begeben, dann kam das große Gewitter und das Wetter wurde – naja, irgendwie aprilmäßig. Ende Juni. Hier mal Sonne, da mal ein bisschen Regen und die Temperatur irgendwo zwischen 15 und 30 Grad. Da man im Normalfall mit seinen Terminen nicht allzu flexibel ist, machen Laurin und ich uns trotz unsicheren Wetters auf zum Wandern. Hobbitmäßige Abenteuer erlebt man ohnehin nur dann, wenn Unerwartetes passiert.

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Weserradweg II

Erst am Nachmittag loszufahren ist so eine Sache. Der Vorteil: Die Radwege sind weitestgehend leer, Tagesausflügler meist schon wieder zu Hause bei Kaffee und Kuchen. Der Nachteil: Bei der Anreise mit der Bahn gerät man volle Kanne in die Rush-Hour. Gerade mit Rad und Packtaschen eine unangenehme Sache. So auch am Freitag, als ich mich auf den Weg zurück nach Minden (Westf.) mache, um den nächsten Abschnitt des Weserradwegs abzuradeln. Pöbelnde Asis, schreiende Kinder und stinkende Ekel machen es einem leicht, sich auf die Einsamkeit der Natur zu freuen.

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Weserradweg I

Alkohol macht dumm und den Körper kaputt. Das weiß man, aber das Trinken lässt man trotzdem nicht sein. Umso bekloppter ist es, wenn man einen Tag danach raus in die Natur will und sich körperlich anstrengt. Völlig verkatert und viel zu verschlafen steigen wir am Freitag Nachmittag auf unsere Fahrräder, um unsere erste Trainingstour für die große Radreise im Sommer zu starten.

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Viele Wege führen nach Braunlage

Die Idee: Drei Tage Trekking auf dem Harzer Hexenstieg. Die Planung: Quasi nicht stattgefunden. Die Ausführung: Stümperhaft. Gut, ganz so schlimm war es dann doch nicht. Von Rübeland aus soll es über Braunlage und die Brockenumgehung des Hexenstiegs durch St. Andreasberg nach Osterode gehen.

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Der Kaiser, Dinos und ein Selfiestick

Irgendwas läuft immer schief. Kochtopf vergessen, Isomatte kaputt oder nur kurz mal einen Wegweiser nicht gesehen und stundenlang im Kreis gerannt. Nachdem ich am Freitagmorgen extra um 7 Uhr aufgestanden bin, schaffe ich es fast drei Stunden später dennoch, meinen Zug zu verpassen. Geht gut los. Mich ärgert weniger, dass wir jetzt erst eine Stunde später loslegen können, als dass ich jetzt schon weiß, dass ich mir das das ganze Wochenende lang anhören darf. Kurze Nachricht an die Braunschweiger, die wegen ihrer unverschämt schnellen Direktverbindung immer noch im Bett liegen. Weiterlesen